Wie es einst begann,
ein kleiner Auszug aus der Vereinsgeschichte
Wenn in Deutschland mehr als drei Personen zusammen sind, sagt man, entsteht schon ein Verein.
In unserem Falle waren es sogar sieben. Sieben wassersportfreudige und unternehmungslustige junge Leute gründeten gegenüber dem Stettiner Bahnhof im Lokal „Zum Alten Fritz“ den Berliner Kanu Club „Borussia“. Die Vereinsregistrierung erfolgte am 16.Oktober 1923. Das bedeutete, dass der Club in der stärksten Zeit der Inflation gegründet wurde, in der das Geld stündlich entwertet und mit Billionen gerechnet wurde. Es war daher ein Kuriosum in einer Vereinsgeschichte, dass in der ersten Versammlung beschlossen wurde den Mitgliedsbeitrag in Naturalien zu entrichten. Als Monatsbeitrag wurde der Gegenwert eines Brotes festgesetzt.
Im Winter 1923/1924 wurden die Verhandlungen mit der Oberförsterei Saatwinkel so weit vorangetrieben, dass der Club im Frühjahr einen alten Artillerieschuppen von den Schießständen in Berlin Tegel erwerben konnte.
Es ist müßig die einzelnen Regatten zu nennen oder die Siege, die Borussia in der Anfangszeit eingefahren. Jedenfalls war es eine sehr erfolgreiche Zeit.
Der 2 Weltkrieg ging auch an Borussia nicht spurlos vorbei, es wurden Verbandsführer ausgesucht und auch der Sport wurde nicht nur der Freude willen betrieben, sondern er wurde zur „Ehrenpflicht“. Körperliche Ertüchtigung und Erziehung im vaterländischen Sinne zum „Einstehen für die Nation“ hieß die neue Devise. Der Krieg und besonders das schreckliche Kriegsende schienen alles zu zerstören, was in jahrelanger Arbeit aufgebaut worden war, so auch beim Berliner Kanu-Club „Borussia“. In den letzten Kriegstagen waren die Russen in unserem Clubhaus. Neben dem Haus standen Stalinorgeln und schossen nach Berlin hinein. Später beschlagnahmte die Französische Besatzungsmacht unser Clubhaus.
Mit viel Arbeit und geschicktem Taktieren in langen Verhandlungen mit dem Senat und der Französischen Militärregierung gelang es die Beschlagnahmung des Geländes und des Hauses durch die Franzosen zu verhindern. Weiterhin konnte erreicht werden, dass die Beschädigung an dem Haus, besonders dem Dach, die durch die Benutzung der Militärmacht entstanden waren, auf Kosten der französischen Regierung, bzw. des Besatzungslastenamtes wieder beseitigt wurden.
Bis 1952 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder auf 144, wobei der Anteil der Jugend bis 18 Jahre über 50 % ausmachte. So war es nicht verwunderlich, dass sportliche Betätigung und Erfolge beim Rennsport nicht ausblieben. Der Bootsbestand stieg ständig, sogar 2 Rennmannschaftscanadier nannte der Berliner Kanu-Club „ Borussia“ sein Eigen.
Damit nicht nur freiwillige Haus und Grundstück pflegten, wurde auf Antrag 1960 der Arbeitsdienst als Verpflichtung eingeführt. Ebenfalls 1960 begannen einige Kameradinnen und Kameraden, in den Wintermonaten die Kegelkugel zu schieben. In den Folgejahren hat sich viel getan, man ging an die Schulen um die Jugend zu werben, Steganlagen wurden erneuert und Bootsschuppen wurden neu erstellt. Des Weiteren bekam das Clubhaus eine Fäkaliengrube und auch eine Trinkwasserversorgung. Es ging soweit das 1972 ein neues Trainerboot finanziert werden konnte, sowie Rennkajaks und Canadier. Die Jugend war es die sich mit hervorragenden Ergebnissen bei den Regatten für die Investition bedankte.
1973 wurde das 50jährige Jubiläum mit einem Festball im „Palais am See“ gefeiert. Im selben Jahr konnte der Verein über die ersten „Förderer“ im Verein berichten. Austritte wurden erklärt, jedoch wollte man dem Verein als Förderer erhalten bleiben.
Viele große sportliche Ereignisse und bauliche Veränderungen zeichnetet bis zum heutigen Zeitpunkt die Facetten diese Vereins, die ich hier wirklich nicht aufzählen kann. Es wurden wieder Langstreckenregatten ins Leben gerufen, die bekannte Regatta Rund um Scharfenberg ist bis heut noch eine erfolgreiche Veranstaltung. Viele Berliner und Deutsche Meister in unterschiedlichen Bootsklassen sind dem Verein entsprungen.
Irgendwann im Sommer 1997 der Anruf eines Vereinskameraden: In Grünau findet ein Drachenbootrennen statt.
Drachenboot???? Keiner wusste so richtig etwas damit anzufangen.
Egal, als Mannschaft brauchten wir etwa 20 Mann. Dann eine „Trainingseinheit“ von ca. einer halben Stunde, und dann wussten wir was Drachenbootfahren bedeutet.
20 Mann in einem Boot, eine Trommlerin mit großem Mundwerk, die auf die Pauke haut und einen Steuermann mit einem noch größeren Mundwerk. Die erste Regatta konnte kommen, wir waren bereit.
Borussia war in dieser Zeit auf etwa 29 Mitglieder geschrumpft. Da traten die Drachenbootfanatiker auf den Plan. Mit Beharrlichkeit und Überzeugungskraft wurden der Vorstand und der Rest der Mitglieder von der Anschaffung eines Drachenbootes überzeugt.
Am 01.06.2000 wurde unser erstes Boot auf den Namen TABALUGA getauft. Zwei tibetanische Mönche hauchten ihm Leben ein und setzten Ihm das Licht ins Auge.
Heute haben wir eine erfolgreiche Drachenbootmannschaft und Dank eines großzügigen Sponsors ,MO- Unternehmensberatung, drei Drachenboote.
Der Verein ist wieder auf 120 Mitglieder angewachsen
Neben den rennsportlichen Aktivitäten im Borussen-Club kommt auch der gesellige Teil nie zu kurz. Wandertage, Fahrradtouren, Silvester-und Faschingsfeiern, Eisbeinessen, Frühshoppen, Italienische Nächte, Mondscheinfahrten, Preisskat und Rommé´ Abende runden auch heut noch das Bild ab.